Ich komme gerade aus dem Kino und habe mir das spektakuläre Comeback von Star Wars: Das Erwachen der Macht angesehen. Und so viel kann ich schonmal vorweg nehmen: Ich wurde nicht enttäuscht. Aber auch nicht vom Hocker gerissen. War eben ein gutes Filmerlebnis. Spontan gesehen kann ich es so zusammenfassen, dass ich Star Wars: Das Erwachen der Macht sogar besser finde als die alten Filme (besser als die Prequels sowieso), aber der Film aus Gründen, die ich später noch erläutern werde, für mich eben kein Top 10 Film ist. Mit diesen Worten möchte ich den geneigten Leser kurz bitten, auf den Weiterlesen-Link zu klicken, da ich verhindern möchte, dass andere Blogleser beim Startseite-Scrollen versehentlich über einen Spoiler rutschen.
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Der Start des Films war meiner Meinung nach für Star Wars gerade zu perfekt. Der Film beginnt im All, jedoch versucht er hier die alten Filme nicht abzuklatschen. Ein von vielen Seiten erwarteter Sternzerstörer-jagt-Widerstandsschiff-Abklatsch findet nicht statt. Stattdessen gibt es einen kurzen, aber packenden Schlagabtauch zwischen dem Widerstandspiloten. Was mir an dieser Stelle so gefallen hat, war die Authenzität. Der sterbende Sturmtruppler, der Finn seinen blutigen Handabdruck auf den Helm schmiert, sorgt für eine angenehme Prise Emotion, wirkt aber auch nicht aufgesetzt. Übertrieben wäre es beispielsweise gewesen, wenn Finn einem Kameraden den Helm abgenommen und aus der Szene ein zweiminütiges Drama gemacht hätte. So war es absolut in Ordnung: Ja wir wissen, die Sturmtruppen sind auch nur Menschen. Gut war meiner Meinung nach, dass J. J. Abrams bewusst kein großes Drama aus dem Auftauchen von Kylo Ren aus dem Raumgleiter gemacht hat. Es war also kein Versuch, mit dem ersten Auftreten von Darth Vader in Episode 4 zu konkurrieren. Stattdessen hat der „Oh shit“-Moment in dem Augenblick zugeschlagen, als der „Sith“ den Blaster Schuss von Poe Dameron aufhält. Das gibt der Szene einen individuellen Touch.
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Meiner Meinung nach gehört zum Anfang eines guten Star Wars Movie eine kurze Action-Einlage wie wir sie in dem Moment gesehen haben und anschließend aber die Möglichkeit, ein bisschen in die Welt des Universums einzutauchen. So kannten wir es ja schließlich auch aus Episode 4. Und genau das schafft auch Abrams, indem er uns für einige Minuten nach Jakku entführt und sich die Zeit nimmt, das Schlachtfeld von Jakku und die schlechten Verhältnisse dort aufzuzeigen, aber eben auch uns wieder in das Kuriositäten-Kabinett zu entführen, was meiner Meinung nach damals schon bei Episode 1 auf Tatooine gut gelungen ist (einer der wenigen Glanzstunden von Phantom Menace) und nun in Episode 7 ein würdiges Ebenbild findet. Und wie ich in die Welt eingetaucht bin. Meine Highlights waren natürlich die Bar-Szene, der Blechkopf-Elefant aus dem Bild und das Alphaschwein, aus dessen Napf Finn versucht zu trinken. Man fühlt sich einfach wieder so schön eingetaucht in den Ozean aus Fantasie, den Star Wars zu bieten hat. Deswegen würde ich in dieser Kategorie auch dem Film wieder ein sehr gut geben.
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Ein Pluspunkt von Episode 7 sind die nach modernen Maßstäben inszenierten Actionszenen, ohne dabei aus dem Rahmen zu fallen. Ein paar Beispiele:
Relativ zu Beginn des Films gibt es eine Verfolgungsjagd zwischen zwie Tie-Jägern und dem Millenium Falcon, gesteuert von Rey. Mir gefiel an dieser Stelle die erwachsene Inszenierung. Natürlich wird der Millenium Falcon im Laufe dieser Verfolgungsjagd sichtbar mehrmals getroffen, schließlich ist er massiger und muss es unter schwierigen Umständen mit zwei Jägern aufnehmen. Schön ist hierbei, dass gezeigt wird, wie schwierig es für Rey ist, den beiden Jägern Herr zu werden. Der Falke streift öfter mal den Sand und kriegt Schrammen ab. Das macht die Sache authentisch, schließlich ist die Pilotin unter Stress und muss auf Risiko spielen, um dieses ungleiche Spiel zu gewinnen. Rey macht waghalsige Manöver und ganz ehrlich: das Wendemanöver mit anschließender 90° Kurve aus dem Sternzerstörer raus, damit Finn die Bordkanone einsetzen kann, ist einfach nur lässig cool.
Gut finde ich auch die Anfangsszene, in der Poe Dameron aus einer guten Deckung heraus einige Storm Trooper heraus nimmt. die Art und Weise, wie er seine Waffe bedient, ist authentischer. Er liegt hinter einer Deckung, sieht dabei soldatisch-professionell aus und lässt sich Zeit zum Zielen, um die beweglichen Ziele zu beschießen, was auch mit Erfolg belohnt wird. Viel besser als das mit ausgestrecktem Arm aus der Hüfte schießen, welches in den sechs Filmen davor Gang und Gäbe war.
Und sehr gut inszeniert finde ich die Szene, in der Finn, Han Solo und Chewie am Boden kämpfen, während Poe Dameron in einem sehr gut konzeptionierten Flow einen Tie Fighter nach dem anderen ins Jenseits schickt. Ich persönlich habe immer die Raumschlachten aus den Star Wars Prequels belächelt, da diese zu einer Zeit gedreht wurden, als sie sich mit den meiner Meinung nach bis heute sehr gut inszenierten Raumschlachten von der Battlestar Galactica Serie vergleichen mussten, und da haben sie ziemlich abgestunken. Ich denke besser kann man „den besten Piloten des Widerstands“ nicht inszenieren, die Flugmanöver wirken authentisch. Und die Szenerie an sich: absolut Badass.
Gut gefällt mir auch die Art und Weise, wie die Nahkampffights inszeniert wurden. Dabei ist zum einen der Kampf von Finn gegen einen Sturmtruppler mit einer Art SciFi-Tonfa zu nennen (nette Idee übrigens). Die Action is packend, aber auch nicht wirklich martialisch. Man merkt, dass bei der Szene die emotionale Spannung zwischen loyalem Stormtrooper und widerständischem Verräter im Vordergrund steht und man nicht versucht, einen China Martial Arts Film daraus zu machen. Das gleiche gilt auch für die beiden Lichtschwertkämpfe die man im Film sieht. Ich finde es gut, dass man in das szenario Lichtschwertkämpfe integriert hat, die nicht die Jedi zu ihrer PrimeTime zeigen sollen, wie wir sie in den Prequels gesehen habe. Auch wenn ich die Lichtschwertkämpfe der Prequels sehr gut choreografiert finde, hätten sie einfach nicht in Episode 7 gepasst. Es ist gut, dass man hier den Fokus wieder auf die Dramaturgie legt, aber trotzdem eine bessere Choreografie hinlegt als beispielsweise beim Episode 4 Kampf zwischen Obi Wan und Darth Vader, der Kampf ist wirklich nicht gut gealtert. Die Lichtschwerkämpfe im Film hatten eine gute Mischung aus Dramaturige und choreografischer Schönheit, eben eine gute Mischung. Für Episode 8 würde ich mir das wieder wünschen. Meiner Meinung nach wäre, wenn überhaupt, Episode 9 der richtige Zeitraum, um wieder einen schnellen Kampf wie zu Prequel-Zeiten zu zeigen. Denn eins muss man ja gestehen: der Kampf Anakin Skywalker vs Obi Wan ist auch heute noch verdammt gut anzuschauen und grundsätztlich hätte ich nichts dagegen, wenn man die neue Trilogie mit einem ähnlichen Kampf abschließt, solange man die Dramaturgie nicht zu kurzh kommen lässt. Für Das Erwachen der Macht war es aber wie bereits erwähnt meiner Ansicht nach die absolut richtige Entscheidung, die Kontrahenten bewusst im „Lernstadium“ zu zeigen.
Natürlich gibt es aber auch Wehrmutstropfen in der Action-Inszenierung. Beispiel: In einer Sequenz wird Rey von drei Sturmtrupplern verfolgt, die sie in der altgewohnten Episode I-VI-Schießtechnik mit ausgestrecktem Arm und aus der Hüfte allesamt einen nach dem anderen wie beim Tontaubenschießen erledigt. Die Sturmtruppen sollten ja ursprünglich als ausgebildete Soldaten mit Zweihandwaffen dargestellt werden. Ich hätte es an dieser Stelle besser gefunden, wenn Rey vor den Sturmtruppen entweder wirklich fliehen oder diese durch eine List überwältigen muss. Wenn man darstellen möchte, dass Rey eine so gute Schützin ist, dass sie die Sturmtruppen durch bloßes Können ausschalten kann, hätte man dies authentischer darstellen müssen. Aus einer Deckung heraus. Einfach aus dem Handgelenk drei Sturmtruppen wegpusten gehört meiner Meinung nach nicht mehr ins aktuelle Jahrzehnt. Ein gutes Beispiel, wie mans besser macht und einen Firefight zwischen zwei oder mehr Kontrahenten filmisch darstellt, wäre die finale Szene von Heat, aber wir sind uns glaube ich einig, dass die Schusswechsel bei Star Wars nicht im Vordergrund stehen. Es wäre nur ein nettes Gimmick gewesen, hier etwas konsistent zu bleiben, wenn man schon am Anfang so gut mit Poe Dameron anfängt.
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Im Film gibt es leider ein paar kleine Details, die mich ein wenig aufregen, die ich dem Film aber nicht allzu negativ anrechne.
Zum Beispiel kommt es mir nicht in den Sinn, wie die Neue Ordnung so schnell einen Todesstern mit der vielfachen Größe der ursprünglichen Exemplare auf die Beine stellen konnten. Die Neue Ordnung sollte doch eine Art Underdog-Fraktion sein, so war zumindest meine Erwartung. Sozusagen das Al-Quaida der Sterne. Das Imperum hatte damals ganze Galaxien in seiner Hand, da ist es plausibel, dass der Bau einer Superwaffe möglich ist. Und jetzt ist die neue Ordnung aber dazu in der Lage, noch mehr zu leisten, obwohl sie nur einzelne Planeten unter ihrer Kontrolle haben?
Gut, man muss zugute halten, die Superwaffe war nicht komplett gebaut, sondern man hat ja quasi einen bereits existierenden Planeten genommen und ihn nur in seinen Eigenschaften verändert, der Aufwand war also nicht so hoch wie bei den ursprünglichen Todessternen. Und klar, auch in unserer heutigen Zeit gibt es Beispiele von eigentlich wirtschaftlich und militärisch schlechter gestellten Fraktionen, die Superwaffen besitzen. So haben etwa der Iran oder Nordkorea auch Nuklearwaffen, obwohl sie sowohl wirtschaftlich als auch allgemeinmilitärisch hinter Großmächten wie den USA, China oder Russland zurückliegen. Von daher ist das Szenario durchaus vorstellbar.
Jedoch kommt es mir schon etwas aufgesetzt vor, dass die neue Ordnung quasi mit einem einzigen Streich die Republik auslöschen konnte (mit einem Energiestrahl gleich welcher Beschaffenheit, den man auf fünf Einzelstrahlen aufgespalten hat). Damit habe ich aus verschiedenen Gründen ein Problem
Damit wäre ich auch gleich bei meinem nächsten Punkt. Warum musst es denn wieder einen Todesstern geben? Ich fand das ehrlich gesagt schade. Der Film hat in Themenbereichen wie den Lichtschwertkämpfen oder den Luftgefechten es so schön verstanden, sich von den früheren Teilen abzuheben und neue Elemente reinzubringen. Die beiden „Jedi/Sith“-kontrahenten wurden als Anfänger dargestellt, die ihre Fähigkeiten gerade erst kennenlernen und daher nicht in der selben Glorie gegeneinander kämpfen wie in den Lichtschwertkämpfen der Prequels, und der Milleniumfalke hat diesmal auch so schön viele Schrammen abbekommen, dass ich fast in Tränen ausgebrochen wäre. Und genau so schön, wie man sich zuerst auf der einen Seite von der alten Trilogie (schlecht gealterte Inszenierung) und auf der anderen von den Prequels (mehr Fokus auf Daramturgie) abgegrenzt hat, commited man sich mit der Superwaffe aber wieder total in die Richtung, es den Fanboys wieder rechtmachen und einen Todesstern einführen zu müssen. Warum? Beide Fraktionen sind schwer angeschlagen. Die neue Ordnung sollte eigentlich nur ein kleiner Zusammenschluss aus vom Wege abgekommenen Ordensrittern und Kuchenkrümeln des Imperiums sein, während der Widerstand ohne Rückendeckung seitens der Republik eben so broken ist. Kann man sich da nichts besseres für ein episches Aufeinandertreffen ausdenken als einen dritten Todesstern hinzustellen, im Ernst? Das Imperium schlägt zurück beispielsweise ist perfekt ohne einen weiteren Todesstern ausgekommen und viele empfinden Episode V als den besten aller Star Wars Filme. Finde ich wirklich extremst schade, eine verschenkte Chance. Denn das macht Star Wars VII irgendwie zu einer Art Reboot, so nach dem motto Episode IV mit besserer Grafik. Hat mir nicht so gefallen.
Das sind aber insgesamt nur Details, die meinen Gesamteindruck vom Film nicht so stark ins negative gerückt haben. Ich fand es nur schade, weil Force Awakens ohne dieses Recycling noch ein viel größeres Potential gehabt hätte.
Let’s face it: Die Komikeinlagen der Prequels Episode I bis III waren sprichwörtlich ein Witz. Die Krone aller Peinlichkeiten, Jar Jar Binks, einmal weggelassen, gibt es auch sonst viele Beispiele für schlechten Slapstick zum Fremdschämen. Beispielsweise finde ich die Szene in Episode III, in der R2D2 einen Haufen von Kampfdroiden mit einer Ölpfütze außer Gefecht setzt absolut daneben. Das hat die ansonsten sehr schnelle Action in der Anfangssequenz von Episode III sehr gestört. Gute Beispiele gibt es zwar auch, ich finde z. B. C3PO in der Droidenfabrik von Episode 2 ganz nett, aber nur wegen dem „Maschinen erschaffen Maschinen“ Zitat.
Bei Episode 7 hingegen sind die Comedy-Einlagen allesamt gelungen. Ich kann keinen einzigen nennen, der nicht zum Lachen war oder die Szenerie kaputt gemacht hätte. Besonders sympathisch sind die Sticheleien zwischen Chewie und Han Solo sowie der Droide BB8.
Das ist der schöne Zauber von Star Wars, der den Film durch diese Einlagen auch gerade so familientauglich macht. Damit ebnet der Film die Möglichkeit, dass auch künftige Generationen noch mit dem Star Wars Epos groß werden und sich Jahre später an die Kindheit zurück erinnern können, weil es noch viel zu lachen gibt. Danke dafür Mr. Abrams.
Schon fast schadenfreudig musste ich feststellen, dass so gut wie alle großen Fantheorien, die sich über Online-Foren und Youtube zuvor wie Lauffeuer verbreitet haben, komplett falsch waren.
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Han und Leias KinderDer Film spielt auf eine schöne Art und Weise mit, wie ich es nenne „unvorhersehbaren Vorhersehbarkeiten“.
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Ein gutes Beispiel etwa ist die Szene zwischen Han und seinem Sohn auf der Brücke im Generatorraum. Han versucht seinen Sohn davon überzeugen, dass es noch einen anderen Weg für ihn gibt und er fest daran glaubt, dass noch gutes in ihm ist. Und als Kylo Ren die Maske abnimmt und seinem Vater das Lichtschwert in die Hände legt sind wir doch alle im Stuhl gesessen und haben gemeint: „Das kann jetzt nicht sein oder? im Ernst? so easy lässt der sich bekehren? Was für eine Art von Villain ist das denn?“ Und wir wurden nicht enttäuscht, denn was danach passiert ist war zwar irgendwie, wenn man so denkt wie wir alle gedacht haben, unausweichlich. Aber dass der Sohn, der zuvor noch Zweifel an seinem Tun hatte und sich nicht sicher über sein Commitment in die dunkle Seite ist, dann so derart kaltblütig sein Lichtschwert durch Solo’s Herz rammt, war anders herum gedacht genau so wenig erwartet zu Beginn der Szene. Es war eine Szene, die man zwar irgendwie erwartet, sich aber nicht erträumt hatte. Zumindest ich nicht. Ich hatte mir zwar gedacht: „Eigentlich wenn er konsequent wäre müsste er ihn jetzt killen, aber ich denke er wird Han eine lektion erteilen, die Sprengsätze entfernen und ihn dann laufen la… ehhh nevermind“.
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Das gleiche Gefühl hatte ich in dem Moment, wo die die neue Ordnung ihre superwaffe auf die Republik abfeuert. Ich dachte mir irgendwie „Das kann jetzt nicht sein oder, dass die das so einfach machen können und wie bei Alderaan wieder Planeten wegpusten können? Jetzt kommt gleich irgendein Schild oder so hoch, der die Planeten vor der Superwaffe schützt und der Film dreht sich dann darum.“ Aber so war es eben nicht. Die Superwaffe kommt durch und die Republik ist danach einfach weg. Keine Abwehrmaßnahmen, nichts. Wie bereits oben erläutert fand ich dies zwar auf der einen Seite irgendwie plump, auf der anderen Seite war es aber unvorhergesehenen, und dadurch dann wieder irgendwie geil, weil man eben vermutet, dass es doch diesmal anders kommen muss als bei Alderaan, aber dem war nicht so.
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Diesen Moment hatte ich auch, als vom Film immer mehr und mehr angedeutet wurde, dass Rey eher für das Lichtschwert bestimmt ist als Finn, aber Finn eigentlich in allen Schlüsselszenen immer zuerst das Lichtschwert in der Hand hat. Dadurch war man bis zum letzten Moment nie ganz sicher, wer es denn nun wirklich sein soll. Erst in der Szene, als Rey beginnt, den Force Mindtrick am Stormtrooper anzuwenden, war für mich klar, dass eigentlich sie dazu bestimmt ist. Und trotzdem hat danach wieder Finn zuerst das Teil in der Hand. Fand ich gut.
Ich möchte hier nicht zum Fantheoretiker werden, denn Abrams hat ja bewiesen wie falsch man als solcher liegen kann. Ein paar Sachen sind mir jedoch aufgefallen und ich wage hierzu einige Theorien
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Zum einen wird im Duell zwischen Rey und Keylo Ren deutlich, dass Rey etwas für Finn empfindet. In einem Saber-Clash denkt sie sehr intensiv an Finn und wird daraufhin ziemlich aggro. Wie wir alle wissen sind intensive Gefühle wie Sehnsucht und Liebe sehr riskant für jemandem, der mit der Macht vertraut ist. Und die Auswirkungen auf Rey sind in diesem kurzen Moment auch spürbar, da sie anfängt zornig zu werden und daraufhin den dominanten Part im Kampf einnimmt. Das war sozusagen ihr Luke-Skywalker-Moment (kennst du diesen Luke-Entertainment-Moment, wenn du deinen Vater mit beidhändigen Schwerthieben in die Submission metzgerst?) , als sie wie wild begann, auf Keylo Ren einzudreschen. Auf der anderen Seite hat Keylo Ren zwar seinen Vater getötet, ist jedoch mit sich selbst im Unreinen. Meiner Meinung nach war das Töten seines Vaters nur eine Verzweiflungstat, um sich selbst davon zu überzeugen, dass er das richtige tut und zur dunklen Seite gehört. Würde mich persönlich aber nicht wundern, wenn er seine Tat im nächsten Teil bereut.
Ich persönlich wage irgendwie die Vermutung zu machen, dass Rey mit fortschreitender Story mehr und mehr gen dunkler Seite gezogen wird und Keylo Ren im Umkehrschluss sich seiner Taten in der Vergangenheit bewusst wird und sich wieder der hellen Seite zuwendet. Die Möglichkeiten, die sich aus einem so komplexen Plot ergeben, machen mir Mut auf die kommenden Teile.
Ebenfalls wage ich die Vermutung, dass die Skills beider Kontrahenten, also sowohl von Rey als auch von Keylo Ren, mit zunehmender Erzählzeit besser werden, so dass wir spätestens zum dritten Film wieder in der Art choreografierte Lichtschwertkämpfe sehen könnten, wie wir sie in den Prequels gesehen haben. Diesbezüglich habe ich halt Angst, dass dann wieder die Daramaturgie, die Abrams in diesem Teil jetzt so schön rübergebracht hat, wieder verloren gehen könnte. Hoffen wir, dass die Mixtur dann trotzdem gut bleibt.
Ebenso freue ich mich auf eventuelle zukünftige Enthüllungen, wer denn jetzt die Eltern von Rey und Finn sind. Ich persönlich tippe darauf, dass Finn eine Verbindung mit Lando Calrissian hat (was auch einige andere Fans in Erwägung ziehen) und Rey die Zwillingssschwester von Keylo Ren, also die Tochter von Han und Leia sein könnte. Die künftigen Teile werden es uns vielleicht sagen.
Nun habe ich den Film ja an so vielen Stellen in hohen Tönen gelobt, zum Abschluss noch ein kurzes Wort dazu, warum ich den Film jetzt nicht in die Top 10 anheben würde. Nun, fairerweise muss ich als allererstes anmerken, dass ich den Film hier hauptsächlich nach Fantasy-Maßstäben beurteilen werde. Ich erwarte von einem Star Wars Film bewusst keine komplizierte Handlung wie bei Memento oder einen Fokus auf Dialoge und Charaktere wie bei einem typischen Tarantino-Film: Bei einem Fantasy-Epos wie Star Wars achte ich auf andere Kriterien.
Was Episode 7 fehlt, und das ist einerseits immer ein bisschen unfair, weil das ja nunmal der erste Film einer Trilogie ist und man da bekanntermaßen noch nicht so tief in die Lore eines Fantasy-Universums eintauchen kann, ist die fehlende Tiefe. Versteht mich nicht falsch, es gilt immer noch mein Urteil aus dem Kapitel weiter oben, dass ich mich, vor allen Dingen aufgrund der Szenen auf Jakku und in der Bar, bei dem Film vollkommen im Star Wars Universum angekommen gefühlt habe. Aber wenn ich jetzt mal Star Wars Episode 7 mit beispielswiese Herr der Ringe: Die Gefährten vergleiche, dann ist der Fantasyschatz, den Letzterer mit sich bringt, um einiges größer. Innerhalb des Films reist man vom Auenland verfolgt von mysteriösen Geisterreitern ins Elbental über die Minen von Moria und bekommt dabei ziemlich viel Stoff um die Ohren gehauen. Man lernt Elben, Hobbits, Zauberer, Balrogs, Orks, Mythen, Sagen und noch viele andere Details kennen. Diese Art von Tiefe vermisse ich irgendwie bei Star Wars Episode 7. Zum Vergleich: Bei Episode 4 lernen im Verlaufe des Films die rebellen udn Imperium, Darth Vader und den Imperator, Droiden, Tuskenräuber, die Javas, Jabba the Hutt (Special Editions), die Macht und letztendlich den Todesstern kennen. In Episode 7 ist der Stoff schon wesentlich schmaler. Näher kennen lernt man hier allenfalls die beiden großen Mächte – Widerstand und Neue Ordnung – sowie den Planeten Jakku. So viel Fantasy war in Episode 7 irgendwie nicht.
Das bringt mich dann auch gleich zu meinem nächsten Kritikpunkt: Es gibt kaum eine Nebenhandlung. In dieser hinsicht gibt es eigentlich nur die kurze Szene in Han-Solos Frachter mit den Kompanions, denen er mal wieder Geld schuldet. Aber das wars dann schon. Es gibt keine Droidenentführung durch die Javas (wenn man nicht die 10 Sekunden, in den BB8 in einem Netz hängt, dazu zählt), keine Tuskenräuber oder Ähnliches. Das hat sogar der so stark verhasste Episode 1 besser gemacht. Vielleicht hat sich aber gerade Abrams von diesem Negativbeispiel abschrecken lassen, weil ja bei Episode 1 die Abschwenker nach Gungan City und nach Tatooine in die Sklavenstadt und zum Podrennen ja hier gerade als unnötig und langweilig empfunden werden. Wenn man jedoch wieder Herr der Ringe 1 als Gegenbeispiel anführt, sind Nebenhandlungen wie beispielswiese Bilbo’s Geburtstag oder die eingeblendete Vorgeschichte des Rings kurzweilig und willkommen. Und genau so hätte man es theoretisch auch bei Episode 7 verarbeiten können. Dadurch hat sich bei Episode 7 bei mir leider nicht der Sinn von „Abenteuer“ eingestellt, den ich mir erhofft hatte.
Und das wiederum bringt mich zu meinem nächsten Kritikpunkt: Darum ging es doch bei Star Wars immer irgendwie. Der Held musste ein Abteneuer antreten, aus seiner Save Zone (z. B. Tattoine) entfliehen und sich in die Welt raus wagen, um zu wachsen und zu lernen. Nur so kann er am Ende das tun, was nötig ist. Luke’s Geschichte ist vor allem deshalb so sympathisch anzuschauen, weil er genau das durchgemacht hat. Er mausert sich vom hilflosen Bauernjungen zum X-Wing-Piloten und wird im Verlauf von 3 Filmen zum Jedi ausgebildet. In Episode 7 ist alles ein wenig beschleunigt worden. Schon im ersten Film wendet Rey den Force-Mindtrick auf einen Stormtrooper an und schwingt das Schwert behände gegen Kylo Ren. Das Abenteuer und die Opfer welche zu diesen Fertigkeiten geführt haben müssen, fehlen an dieser Stelle einfach irgendwie. Mit dem Ende von Episode 7 (und dem wahrscheinlich größten Cliffhanger der Filmgeschichte) scheint es eher so, als wäre die Phase des Abenteuers irgendwie nach hinten verschoben worden. Erst am Ende des Films wandert sie mit dem Rucksack über grüne Lande und geht auf Entdeckungstour – eigentlich Szenen, die am Anfang hätten stattfinden sollen. Es fühlt sich daher für mich vom Bauchgefühl so an, als wären wir gerade auf schon im zweiten Film auf „Dagobah“ und nicht gerade erst vom Wüstenplaneten losgelaufen. Deswegen habe ich irgendwie das Gefühl, dass der Film halt keine Message hat. Er vermittelt keine Werte, keine Weisheit im Sinne der alten Trilogie eben, dort war die Nachricht des Anfang von Episode 4: „Wenn du kein Risiko eingehst und anfängst etwas zu versuchen, wirst du nie für das bereit sein, was die Welt für dich bereit hält“. Und das Ende von Episode 4 (und allen anderen Filmen danach) war halt auch irgendwie „Du kannst noch so stark sein wie du willst, am Ende zählt immer nur dass du Freunde und Familie hast, die dir den Rücken stärken“. Und so eine Art Message hat mir halt für Episode 7 irgendwie gefehlt. Vielleicht findet sie aber einer von euch und ich sehe es einfach nur nicht.
Aber wie gesagt: Beim ersten Film einer Trilogie schon auf solche Maßstäbe wert zu legen ist etwas hoch gegriffen. So ein finales Urteil möchte ich erst fällen, wenn die Trilogie ein definitives Ende gefunden hat. Bis dahin genießen wir einfach das, was wir grade haben und freuen uns auf Episode 8.
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