Buchrezension: World of Warcraft – Arthas

Schon lange habe ich mir vorgenommen, das Buch World of Warcraft: Arthas zu lesen. Ich bin zwar kein WoW-Spieler, aber ein hingebungsvoller Fan der Warcraft-Welt an sich, da ich damals Warcraft 3: The Frozen Throne sowohl im Single- als auch im Multiplayer gesuchtet habe. Von den Romanen her war ich ebenfalls vorbelastet und habe in der Zeit viel davon gelesen. Ich nerde auch regelmäßig Fan-Wikis und Youtube-Videos und halte mich dadurch über wie Entwicklungen der Warcraft-story auf dem Laufenden. Nichts auf der Welt wird mich jedcoh dazu bringen, diese Lebenszeitverschwendung World of Warcraft zu spielen. Sorry Blizz, love you anyway.

Spoiler aus dem Buch werde ich in der Rezension vermeiden. Wenn Ihr jedoch noch nicht Warcraft 3 : Reign of Chaos und das Addon The Frozen Throne gespielt habt und euch das noch vorgenommen habt, könnte es sein dass ihr euch den Artikel für später aufheben wollt, da er Spoiler aus den Warcraft-Kampagnen enthält.

Um Spoiler zu vermeiden werde ich euch nur einen sehr sehr groben Einblick in den Geschichtsverlauf geben und mich auf den allgemeinen Schreibstil von Christie Golden beziehen.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass dieses Buch vom Schreibstil her nicht an die üblichen Werke von Christie Golden herankommt. Einen Lord der Clans dürft Ihr von diesem Werk nicht erwarten. Denn das Buch ist –  merkbar bewusst – eher wie eine kurze Zusammenfassung der Geschichte von Arthas geschrieben. Dem Buch fehlt es irgendwie an Charaktertiefe. Es gibt stellenweise Szenen, die sehr detailliert beschrieben werden, die eine tiefen Charakterbezug aufbauen und sogar einen Spannungsbogen aufweisen. Hier schimmert der Stil, den wir von Christie Golden kennen, wieder auf. Jeodch ca. 80 % des Buches kommen vollständig ohne Spannungsbogen und Charaktertiefe aus. Es sind diese kleinen Szenen, die das Buch meiner Meinung nach lesenswert machen.

Denn das Buch ist zu ungefähr 50% eine Zusammenfassung der Warcraft 3 Kampagnen. Irgendwie nett, da man, wenn sich auf Youtube noch einmal eine Zusammenfassung der Zwischensequenzen dieser Kampagnen ansieht, merkt, dass die dialoge im Buch teilweise haargenau aus diesen Zwischensequenzen übernommen worden – mit ein paar Verflechtungen. Es ist nett, zu sehen, wie beispielsweise die Zwischensequenz beschrieben wird in der Jaina vor zwei Ogern flieht und dabei zum ersten mal auf Arthas und seine Männer trifft.

Diese Szenen sind aber dennoch etwas lieblos beschrieben. In einem Stück beispielsweise wird ohne Emotion der verlauf einer Schlacht beschrieben – Arthas schmettert seinen Hammer hier, Jaina schleudert Feuerbälle da. Aber auf die Emotionen der Charaktere wird nicht eingegangen, es gibt auch keine dramatischen Schilderungen währenddessen. Nach Abschluss der Schlacht hat einer der Hauptcharaktere nichts  besseres zu tun, als nach Tötung des letzten Untoten sich hinzusetzen und daraufhin ein Stück Trockenfleisch zu essen – das letzte, woran ich normalerweise denken würde. Hier wäre es angebracht gewesen, den Charakter auf das verwüstete Schlachtfeld blicken und die schockierenden Ausmaße betrachten zu lassen.

Schön ist, dass teilweise eigentlich total entbehrliche Charaktere, die man in Warcraft 3 als Einheiten während einer Zwischensequenz dazu bekommt, durch das Buch eine Persönlichkeit zugeteilt bekommen. Im Verlauf von Warcraft 3 RoC trifft man beispielsweise in einer Mission auf ein Mörser-Team der Menschen, welches Arthas im Laufe der Mission hilft. Im Buch werden den Zwergen dieses Mörser-Teams Namen gegeben, und sie begleiten Arthas wesentlich länger im Verlaufe des buches.

Auch etwas schade finde ich, dass das Buch so derart zusammenfassend geschrieben wurde, dass jemand ohne Warcraft-Vorerfahrung dieses Buch nicht lesen können wird. Die Beschreibungen sind zu spärlich. Beispielsweise wird sich ein Warcraft-unerfahrener Leser von einem Zwergen-Mörserteam ohne nähergehende Beschreibung nichts vorstellen können – diese tiefgehende Beschriebung fehlt aber, und auch wenn diesen Nebencharakteren eine PErsönlichkeit zugeschrieben wird, so wird dann letztendlich doch nicht darauf eingegangen – der Autor springt nur sehr selten in die Gedankenwelt der Nebencharaktere und verleiht diesen dadurch eine Persönlichkeit, auf die man aufbauen kann. Das geschieht viel zu selten im Verlaufe des Buches. Auch die Szenerien, in denen bestimmte Handlungen sich abspielen, kann man sich nur vorstellen, wenn man die passende Zwischensequenz oder ein animiertes Video aus Warcraft 3 heranzieht – beispielsweise die Stadt Dalaran. Diese wird im Buch ziemlich spärlich beschrieben – ein paar schöne Türme hier, ein paar schöne Bäume da. Wer von der Untoten-Kampagne und dem dortigen Abschluss-Animationsfilm des Hauptspiels Dalaran kennt, kann sich hier schon ein besseres Bild machen.

Das Buch enthält ebenfalls ein paar nette Hinweise auf andere Werke aus dem Warcraft-Universum. Unter Anderem kommen Charaktere aus Der Lord der Clans sowie aus den Werken eines anderen bekannten Warcraft-Romanautors vor. Es gibt auch Bezüge auf die Ork/Mensch-Zwiste in den ersten beiden Warcraft-Teilen und Gastauftritte von Kael’Thas, Medivh, Aegwynn, Antonidas und anderen wichtigen Figuren aus dem Universum.

Wo das Buch, wie oben beschrieben, schön detailliert wird, sind jedoch die Szenen, die einem unbekannt sind. Beispielsweise wird etwas tiefer auf die Beziehung zwischen Arthas und Jaina eingegangen, die einem während der Kampagne so nicht näher gebracht wird. außerdem gibt es im Buch ein paar Stellen, in denen epic forshadowing betrieben wird – wer das Schicksal Arthas‘ am Ende von Warcraft 3 kennt, wird an diesen Stellen schmunzeln oder ins Grübeln kommen. Außerdem gibt es immer wieder ein paar Zeitsprünge, die für Überraschungen sorgen und die den beiden Hauptcharakteren Jaina und Arthas die nötige Tiefe verleihen. An diesen Stellen hat das Buch wirklich Spaß gemacht.

Interessant fand ich, dass es mir möglich war, in diesem Buch etwas von den Charakterzügen Christie Goldens herauszulesen. Ich persönlich denke z. B., dass Christie Golden ein sehr starker Tierliebhaber, wenn nicht sogar Vegetarierin ist. Die Beziehung der charakteren nicht nur zu andersrassigen Wesen wie den Orcs, sondern eben auch zu Tieren pflanzt sie in sehr sehr viele Charaktere ein.

Auch in Sachen Schilderung von Liebesbeziehungen zeigt Sie sich recht geschickt. Leider kann Sie in der Kürze dieses buches keinen anständigen Spannungsbogen aufbauen, um Beziehungen zwischen bekannten Charakteren des Universums aufzuzeigen. Jedoch schildert Sie die Emotionen an diesen Stellen recht gut.

Persönlich muss ich sagen, dass ich das Buch trotz seiner netten Anspielungen und der paar gut geschriebenen Szenen sehr schwach finde. Ohne das Warcraft-Franchise im Hintergrund würde dieses Buch in den Läden verstauben. Für Warcraft-Fans lesenswert, jedoch kostet das Buch im Neuzustand sogar im Jahr 2014 immer noch 9,95 € – dafür bekommt man meist einen anständigen Roman, der nicht geschrieben ist wie – vorsicht böse Zunge – die Story-Zusammenfassung eines Fanprojekts auf Wikia.

Was ich ebenfalls los werden wollte: Dieses Buch hat einen größeren Umfang als das buch Blizzard Legends. welches Kurzgeschichten aus allen drei Blizzard-Universen enthält. Trotz des höheren Umfangs fand ich, dass die Warcraft-Kurzgeschichte in Legends einen wesentlich höheren Tiefgang besitzt als dieses Buch. Schade. Der Tiefgang aus dieser Kurzgeschichte hätte mir persönlich schon gereicht.

Entweder war Christie Golden hier unter Zeitdruck oder hatte klare Vorgaben, wie das Buch auszusehen hat – der Hauptzweck dieses Buches scheint es schließlich zu sein, World of Warcraft-Spieler, die Warcraft 3 nicht gespielt hatten, auf die Storyhintergründe für  kommende Addon Wrath of the Lich King vorzubereiten. Es ist jedoch auf gar keinen Fall ihr üblicher Schreibstil. Schlecht, wenn jemand, der in den Warcraft-Romanen neu ist, mit diesem Buch anfängt und auf Basis dessen ein Urteil fällt, ob sich die Anschaffung der restlichen Bücher lohnt. Denn Christie Golden und der von mir vergötterte Autor Richard A. Knaak können es beide viel, viel besser.

Wenn dir dieser Post gefallen hat, teile ihn doch auf Social Media, abonniere und verfolge mich per E-Mail, RSS-Feed, Social Media oder registriere dich auf meiner Seite. Wenn du registriert bist, like den Post bitte, wenn er dir gefallen hat!

Kommentar verfassen